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    HAßFURT

    Amtsgericht Haßfurt: Bewährung und Geldstrafe für Dealer

    Ein 22-Jähriger, der als stellvertretender Schichtführer in einem Kfz-Zulieferbetrieb arbeitet, war angeklagt, weil er in größerem Stil Marihuana verkaufte. Sechs Fälle konnte das Jugendgericht ihm nachweisen. Nach Jugendstrafrecht verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Jugendrichter Martin Kober den jungen Mann zu einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung, verbunden mit einer 2000-Euro-Geldstrafe.

    Auf die Spur des Drogendealers kamen die Ermittler am 13. März 2018. Damals kontrollierte die Polizei im Maintal ein Fahrzeug, das mit vier jungen Leuten besetzt war. Bei der Kontrolle der Fahrerin und der drei männlichen Insassen fanden die Uniformierten eine geringe Menge an Rauschgift. Alle landeten daraufhin auf der Polizeiinspektion in Haßfurt, wo sie getrennt vernommen wurden. Zusätzlich wurden ihre Handys ausgewertet.

    Quartett auf Einkaufstour

    Dabei stellte sich heraus, dass sich das Quartett auf einer Einkaufsfahrt befand: Sie wollten zur Wohnung des Angeklagten fahren, um sich da mit Marihuana einzudecken. Als das klar war, erwirkten die Ermittler einen richterlichen Durchsuchungsbefehl. Kurz vor Mitternacht tauchten die Beamten bei der Wohnung des Beschuldigten auf und traten ohne langes Federlesens die Tür ein, so dass der Verdächtige nicht noch schnell die Drogen im Klo entsorgen konnte. Die dann vorgefundene, relativ große Menge rechtfertigte die rabiate Vorgehensweise: 124 Gramm Marihuana lagen im Schlafzimmer.

    Ein Beamter der Schweinfurter Rauschgiftfahndung übernahm die weiteren Ermittlungen. Wie er im Zeugenstand berichtete, schickte er das „Gras“ an das Landeskriminalamt nach München. Dort berechneten die Experten, wie viel Wirkstoff darin enthalten war. Mit 17,7 Gramm THC ergab sich ein Wert weit über dem juristischen Grenzwert von 7,5 Gramm für eine geringe Menge. Damit gilt der Handel als Verbrechen und wird mit drastischen Strafen belegt.

    Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia erklärte für seinen Mandanten, dass dieser tatsächlich in gewissem Umfang mit dem Gift gehandelt habe. Ersichtlich wurde das auch durch die Auswertung der Handys. Immer wieder wurde der inzwischen weitgehend entschlüsselte Szene-Jargon benutzt. Um die Transaktionen zu verschleiern, wird beispielsweise Kokain als „Coca-Cola“ und Haschisch als „Camel“ bezeichnet.

    „Die Drogen oder ich!“

    Der Angeschuldigte ist für das Gericht kein Neuling. Bereits drei Mal stand er vor dem Kadi. Zweimal wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln, einmal wegen einer Körperverletzung. Sogar einen dreiwöchigen Dauerarrest hat er bereits abgesessen. Diese Verfehlungen hielt ihm der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vor. Er bezeichnete ihn aufgrund der Rückfälle als „uneinsichtig“ und attestierte ihm „schädliche Neigungen“. Eine Bewährungsstrafe nach Jugendstrafrecht von zwei Jahren und 5000 Euro Geldbuße hielt er für nötig.

    Der Verteidiger dagegen zeichnete ein ganz anderes Bild von seinem Schützling. Dessen Lebensgefährtin habe den Angeklagten vor die Wahl gestellt: „Die Drogen oder ich!“ Daraufhin habe der Arbeiter radikal mit seinem bisherigen Freundeskreis und der Drogenszene gebrochen und sei seit eineinhalb Jahren clean. Im Arbeitsleben verhalte er sich vorbildlich und sei sozial voll integriert.

    Zusätzlich zu der Strafe wurde verfügt, dass die bei der Hausdurchsuchung aufgefundenen 980 Euro eingezogen werden, weil das Gericht davon ausging, dass das Geld aus illegalen Drogengeschäften stammt. Die nächsten zwei Jahre muss sich der Verurteilte regelmäßig bei einem Bewährungshelfer melden. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig, aber die Verteidigung signalisierte, sich mit dem Richterspruch anfreunden zu können. (mwa)

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