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    Kreis Haßberge

    Entsorgung im Wandel: Die Gelbe Tonne für den Haßbergkreis

    Am Mittwoch lieferten Mitarbeiter der Firma Eichhorn die Gelben Tonnen in Haßfurt aus. Foto: Peter Schmieder

    Die Kreisräte haben viel darüber gestritten und letztlich war es ein Bürgerbegehren, das sie zu der Entscheidung zwang: Zum Jahresbeginn 2020 bekommen die Menschen im Landkreis Haßberge die Gelbe Tonne. Zumindest diejenigen, die sie haben wollen; für die anderen bleiben die Wertstoffhöfe erhalten. Gleichzeitig führt der Landkreis das Ident-System ein, das die Müllabholung sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Kunden einfacher machen soll.

    Am Mittwoch war ein Lastwagen in der Kreisstadt Haßfurt unterwegs, mit dem Mitarbeiter der Recyclingfirma Eichhorn die Gelben Tonnen auslieferten. Etwa zur gleichen Zeit fand im Landratsamt eine Sitzung des Kreisumweltausschusses statt, in der Wilfried Neubauer, Werksleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs für den Landkreis, erläuterte, wie der Übergang vom Bringsystem auf das Holsystem laufen soll.

    Wertstoffhöfe bleiben erhalten

    Für diejenigen, die die Gelbe Tonne nicht nutzen wollen, wird sich demnach kaum etwas ändern. Die bestehenden Wertstoffhöfe bleiben demnach unverändert erhalten, lediglich die Öffnungszeiten hat der Abfallwirtschaftsbetrieb reduziert – einerseits, um Kosten zu sparen, andererseits, weil der Andrang dort zurückgehen dürfte, wenn viele Menschen die Möglichkeit nutzen, ihren Müll vor der Haustür abholen zu lassen.

    Zunächst bekam jeder Haushalt eine Gelbe Tonne. Wer weiterhin selbst zum Wertstoffhof fahren möchte, kann sie zurückgeben. Foto: Peter Schmieder

    "Wer die Gelbe Tonne nicht will, der kann sie zurückgeben", berichtet Neubauer zudem im Gespräch mit dieser Redaktion. Auch damit kommt der Landkreis den Bürgern entgegen, denn einige Kritiker des Holsystems hatten beklagt, dass viele Menschen nicht wüssten, wo sie zuhause neben Papier-, Restmüll- und Biotonne noch ein weiteres großes Müllgefäß unterbringen sollen. "Man kann sich jederzeit umentscheiden", sagt Neubauer.

    Keine Sortierung mehr nötig

    Auch für diejenigen, die weiterhin die Wertstoffhöfe ansteuern wollen, gibt es eine Erleichterung: Während sie den Abfall bisher vorsortieren mussten, können sie ihn nun unsortiert bringen – schließlich werden auch in der Gelben Tonne die verschiedenen Wertstoffe unsortiert gesammelt und erst später maschinell voneinander getrennt. "Aber es dürfen keine Restmüllanteile drin sein", betont der Werksleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs. Um das sicherzustellen, ist festgelegt, in welchen Behältern Kunden ihre Abfälle zum Wertstoffhof bringen dürfen. Das können entweder transparente Säcke sein oder offene Gefäße, so dass die Mitarbeiter bei der Anlieferung schon sehen können, was sich darin befindet. Transparente Säcke soll es daher künftig auch an den Wertstoffhöfen zu kaufen geben, berichtet Wilfried Neubauer.

    Da die Wertstoffhöfe zwar erhalten bleiben, aber zu erwarten ist, dass sie künftig weniger genutzt werden, soll dort bald mit weniger Personal gearbeitet werden – abgesehen von einer einmonatigen Übergangszeit im Januar, in der sich noch einiges einspielen muss.

    Verschwinden sollen dann auch die Weißblechcontainer an den Wertstoffinseln. Denn Blechdosen können, zusammen mit diversen anderen Abfällen, in der gelben Tonne entsorgt werden. Die Sammelbehälter, die bisher an gemeinsamen Sammelstellen mit den Flaschencontainern stehen, sind damit überflüssig und sollen nur noch an den Wertstoffhöfen erhalten bleiben.

    Missbrauch ausgeschlossen

    Die andere große Umstellung, die beim Abfallwirtschaftsbetrieb zum 1. Januar kommt, ist die Einführung des Ident-Systems. "Jede Tonne hat ein Chipnest", erklärt Neubauer im Gespräch mit dieser Redaktion. In dieses kann ein Chip eingebaut werden, der dann vom Müllauto erkannt wird, wenn die Tonne angemeldet ist. So ist es möglich, elektronisch zu erfassen, wann welche Tonne geleert wurde. "Das erleichtert die Arbeit", betont Neubauer und nennt als Beispiel eine Mülltonne, die für eine gewisse Zeit abgemeldet wird, aber später wieder genutzt werden soll. Das kann beispielsweise passieren, wenn eine Wohnung zeitweise leer steht, bis ein Nachmieter gefunden ist.

    Bisher hätte die Tonne für diese Zeit zurückgegeben werden müssen, um zu verhindern, dass Anwohner sie abmelden und dann doch "schwarz" weiter benutzen. Nun kann die Tonne vor Ort bleiben. "Wenn der Chip deaktiviert ist, kann das Müllauto die Tonne nicht mehr heben", erklärt Neubauer. Missbrauch ist damit ausgeschlossen.

    Die Chips sollen in alle Papiertonnen des Landkreises eingebaut werden sowie in den 20 Kommunen, in denen der Kreis die Entsorgung erledigt, auch in die Restmüll- und Biotonnen. Insgesamt betrifft das rund 80 000 Müllgefäße, berichtet Neubauer. Bis Mitte Dezember sollen sie alle gechipt sein.

    Keine Verwiegung geplant

    Etwas, das mit dem Ident-System ebenfalls möglich wäre, ist eine Verwiegung der Tonnen und damit ein Bezahlsystem, bei dem die Bürger je nach Müllverbrauch zur Kasse gebeten werden. Hier betont Neubauer allerdings, dass so etwas im Landkreis Haßberge nicht kommen werde. Denn die Restmüllmengen im Landkreis seien ohnehin recht gering; mit 76,5 Kilo pro Einwohner im Jahr liegt der Haßbergkreis weit unter dem Bayern-Durchschnitt von 144 Kilo. So sei das Verwiege-System vor allem in Regionen mit hohem Verbrauch ein Anreiz, weniger Abfall zu produzieren. Das sei in einer Region, die ohnehin gut dasteht, aber nicht nötig.

    Und wie werden sich bei all dem die Müllgebühren entwickeln? "Wir werden 2020 neu kalkulieren und ich gehe davon aus, dass wir sie 2021 erhöhen müssen", sagt Neubauer. Zahlen wisse er aber noch nicht. "Aber es wird nicht so dramatisch."

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