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    Hockenheim

    „Auf Wolke Sieben” - Schumis Heim-Triumphfahrt vor 25 Jahren

    Heim-Triumph       -  Der erste Deutsche, der ein Formel-1-Rennen in Deutschland gewinnt: Michael Schumacher.
    Der erste Deutsche, der ein Formel-1-Rennen in Deutschland gewinnt: Michael Schumacher. Foto: Harry Melchert/dpa

    Auf der Ehrenrunde würgte Michael Schumacher seinen Benetton B195 ab. „Ich war wohl emotional zu sehr

    aufgewühlt”, erklärte er kurz danach. 120.000 Fans, jubelnd, feiernd, viele mit Deutschland-Fahnen. Eine Stimmung wie im Fußball-Stadion.

    „Die Gefühle, die Emotionen der Fans mitzubekommen, das kann man nicht beschreiben”, sagte Schumacher, nachdem er aus seinem Wagen gestiegen war: „Das ist Gänsehaut, da kommen einem die Tränen, das ist sowas, wie wenn man auf Wolke Sieben schwebt.”

    30. Juli 1995, Schauplatz Hockenheimring. Anlass: Der Große Preis von Deutschland. Hauptdarsteller: Michael Schumacher, 26 Jahre alt, bis dahin einmaliger Formel-1-Weltmeister. Noch nie hatte bis zu diesem Tag ein deutscher Fahrer ein Rennen der Motorsport-Königsklasse auf deutschem Boden gewonnen, ob Nürburgring, Hockenheimring oder die AVUS in Berlin. Schumacher, der sich in der Qualifikation noch um winzige 80 Tausendstelsekunden seinem damaligen britischen Dauerrivalen Damon Hill hatte geschlagen geben müssen, gelang es.

    Eine Triumphfahrt, die den Hype um den Rheinländer im Jahr nach seinem ersten Titeltriumph noch mal beschleunigte. „Ein Traum ist wahr geworden”, sagte er: „Dieser Heimsieg steht meinem WM-Titel in nichts nach.” Die Rückreise in Schumachers damalige Wahlheimat Monaco wurde erstmal verschoben, Schumacher war in Feierlaune nach seinem 15. Grand-Prix-Sieg. 76 weitere sollten noch folgen.

    Der Heimsieg aber blieb ein besonderer Moment. 42 Rennen hatten vorher auf den insgesamt drei Strecken in Deutschland stattgefunden in Deutschland. Namen wie Alberto Ascari, Juan-Manuel Fangio, Stirling Moss, James Hunt, Jackie Stewart oder Niki Lauda bis Ayrton Senna zierten die Siegerlisten. Ein Deutscher? Fehlanzeige, bis zu jenem letzten Sonntag im Juli vor 25 Jahren.

    Schumacher hatte sich den zweiten Startplatz hinter Hill gesichert. Der Brite blieb aber nicht lange im Rennen. In der zweiten Runde war Schluss für den Williams-Piloten im giftigen britisch-deutschen Duell. In der Nordkurve ausgangs der Haupttribüne kam Hill mit über 200 Stundenkilometern von der Strecke ab, landete im Reifenstapel und haderte mit sich selbst. „Ich war total schockiert und habe keine Erklärung”, sagte er.

    Total happy war Schumacher. Total happy waren die Fans im Motodrom und nicht nur dort. RTL verzeichnete 7,3 Millionen Zuschauer und damit einen Marktanteil von 62,3 Prozent. Zum Vergleich: Vor einem Jahr verfolgten das Rennen auf dem Hockenheimring mit Sebastian Vettel im Ferrari hinter Sieger Max Verstappen im Red Bull rund zwei Millionen Zuschauer weniger bei RTL.

    Schumacher legte damals nach dem Sieg auf dem Hockenheimring noch nach. Am 1. Oktober gewann er auch den Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring, im Rennen danach im japanischen Aida sicherte er sich zum zweiten den WM-Titel.

    Das letzte Mal in Deutschland fuhr Schumacher im Juli 2012. Beim Großen Preis auf dem Hockenheimring kam er im Mercedes auf den siebten Platz, am Ende der damaligen Saison stieg er für immer aus der Formel 1 aus. Der mittlerweile 51-Jährige befindet sich weiterhin abgeschottet von der Öffentlichkeit in seiner Schweizer Wahlheimat am Genfer See, nachdem er Ende 2013 beim Skifahren in den französischen Alpen gestürzt war und sich ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen hatte.

    Sohn Mick, der auf dem Weg in die Formel 1 derzeit in der höchsten Nachwuchsklasse (Formel 2) Gas gibt, durfte dafür im vergangen Jahr den Weltmeister-Ferrari von 2004 auf dem Kurs in Nordbaden für eine Showfahrt steuern. Ein bisschen Stimmung wie einst kam auf. „Schumiiii”, skandierten die Fans. Und Mick meinte: „Als endlich der Motor anging, war es schon Emotion pur.” Immerhin würgte der mittlerweile 21-Jährige dabei den Motor nicht ab.

    © dpa-infocom, dpa:200727-99-938907/2

    Von Jens Marx, dpa

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