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    Fußball: Dritte Liga

    DFB-Bundestag: Deutliches Votum gegen Drittliga-Abbruch

    Beim virtuellen Bundestag gibt es erstaunlich wenig Gegenwind für die Verbandsführung. DFB-Vize Rainer Koch erwartet trotzdem gerichtliche Auseinandersetzungen.
    Der Friede von Meckenheim: die DFB-Spitze beim DFB-Bundestag.
    Der Friede von Meckenheim: die DFB-Spitze beim DFB-Bundestag. Foto: Thomas Böcker

    In einer Halle in Meckenheim bei Bonn war die Führung des Deutschen Fußball-Bundes zusammengekommen. Dass ausgerechnet hier also der große Showdown stattfinden sollte, hatte rein technische Gründe. Der Internet-Dienstleiter, dem der DFB bei der Organisation seines Internet-Bundestags vertraute, hat dort seinen Sitz. In Meckenheim also wurde die Entscheidung verkündet: Die Dritte Liga spielt weiter. Mit Geisterspielen bis Saisonende. Elf Spieltage in fünf Wochen sind geplant. Ein irres Programm. Für das es aber eine satte Mehrheit in Funktionärskreisen gibt. 94,87 Prozent Zustimmung. Als DFB-Vizepräsident Rainer Koch das Ergebnis verkündete, war die Erleichterung selbst bei ihm deutlich zu spüren.

    Nach all dem Ärger, nach dem wochenlangen Hin und Her, dem erbitterten Streit zwischen den Klubs, so in deutliches Votum für eine Fortsetzung. Über den gemeinsamen Antrag des sächsischen und des sachsen-anhaltinischen Verbandes, die Saison abzubrechen, wurde gar nicht mehr abgestimmt. Koch selbst sprach von einem "tiefen Durchatmen".

    Ob der Friede von Meckenheim nun freilich in die deutsche Fußball-Geschichte eingeht, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Denn schon vor der Abstimmung hatte der bayerische Verbandsboss Koch höchstselbst in seine Ansprache gemutmaßt, "dass die Anwälte der Unterlegenen sich umgehend auf den Weg zu den Gerichten machen werden". Der Hallesche FC hatte bereits vor dem Bundestag ein Anwaltsschreiben an den DFB geschickt, in dem der Klub fordert, vor einem Neustart die Möglichkeit zu 14 Tagen Mannschaftstraining zu bekommen. Ein Wunsch, der aufgrund der Terminnot nicht mehr zu erfüllen ist. In Sachsen-Anhalt sind Training und Spiel noch bis Donnerstag untersagt. Dass man in Halle und beim Landesrivalen 1. FC Magdeburg - beide Klubs stehen knapp vor den Abstiegsrängen - sich aber gar nicht um eine Ausnahmeregelung bemühte, stößt beim DFB vielen sauer auf. "Die Tricksereien müssen aufhören", sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Am Wochenende hatte es erst einen Streit um eine verschobene Corona-Probe in Magedeburg geben. Der Zoff zwischen Verband und abbruchwilligen Klubs wurde zuletzt immer kleinteiliger und kleingeistiger.

    Was passiert, wenn eine Mannschaft am kommenden Wochenende nun nicht antritt, machte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius unmissverständlich deutlich: "Dann wird das Spiel mit 2:0 für den Gegner gewertet." Der Fußball-Bund ist nicht mehr gewillt, irgendetwas zuzugestehen. Wenn die große Mehrheit der Bundesländer Spiele erlaubt, könne man gar nicht die Saison abbrechen, so Koch. Der bayerische Fußball-Landesfürst hatte die Meinung des DFB-Präsidiums ausführlich erläutert. Haftungsrechtlich sei all das viel zu riskant.

    Eindeutig war das Votum der Funktionäre auch zum Vorschlag, die Dritte Liga in der kommenden Saison in zwei Staffeln aufzuteilen. Der Saarländische Verband hatte den Antrag eingebracht, zahlreiche Regionalligisten hatten das Ansinnen unterstützt. Statt 20 hätte es dann 36 Drittligisten gegeben und gar keine Probleme mit Auf- und Abstieg. "Wenn wir die Liga aufblähen, wird sie nicht besser, sondern schlechter vermarktbar", hielt Tom Eilers, der Vorsitzende des DFB-Drittliga-Ausschusses, dagegen. Am Ende gab es nur 18 Stimmen (7,56 Prozent)  für den Vorschlag.

    Aus Sicht der Verbandsführung war es die so sehr gewünschte virtuelle Einigkeit, die von diesem sehr ungewöhnlichen Bundestag ausging. Dass letztlich nun ein Task-Force sich der wirtschaftlichen Drittliga-Probleme annehmen soll, passte den DFB-Oberen auch noch ins Bild. Man tut ja etwas für die Klubs. Nun muss sich zeigen, ob der Verband nach der Krise die Kraft aufbringt, die Interessen am unteren Rand des Profifußballs in einen ehrlichen Ausgleich zu bringen. Es dürfte eine schwere Aufgabe werden.

    Und die muss ein Verband stemmen, der von den Folgen der Pandemie auch selbst hart getroffen wird. Zumindest zeichnete DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge ein ziemlich düsteres Bild von den Verbandsfinanzen. So reich, wie manch ein Fan vermutet, scheint der DFB, wenn man dem Kassenwart folgt, nicht zu sein. Die einst recht üppigen Rücklagen seien bald aufgebraucht. Der Bau der DFB-Akademie in Frankfurt läuft zwar wie geplant weiter. Aber sollten in diesem Jahr womöglich keine Länderspiele der A-Nationalmannschaft mehr stattfinden gäbe es in großes Loch im Budget. Die "tiefste wirtschaftliche Krise" sei dies für den Verband. 77 Millionen Euro Verlust drohen dem DFB laut Osnabrügge  in diesem Jahr im schlimmsten Fall. Zu verschenken gäbe es da nichts. Und überhaupt solle sich niemand einbilden, dass der DFB mit der Dritten Liga Geld verdiene. Argumente, der Verband würde die Ligenfortsetzung aus finanziellen Gründen befördern, seien schlichtweg falsch.

    Trotzdem sahen die Delegierten auch die Fortsetzung der Frauen-Bundesliga ab dem kommenden Wochenende offenbar als alternativlos an. Anders als in der dritten Männe-Liga hatte es dort aber auch keim Widerspruch gegeben. Einen Saisonabbruch beschloss der virtuelle Bundestag dann aber doch: die zweite Frauen-Bundesliga wird nicht fortgesetzt. Die Tabelle wird nach aktuellem Stand gewertet, es gibt nur Auf- und keine Absteiger.

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